Die Diagnose von Atemwegsinfektionen revolutionieren

Lesedauer von 5 Min.

17. Februar 2026

ATEMWEGSGESUNDHEIT

Artikel

Die Diagnose von Atemwegsinfektionen revolutionieren: Innovationen in der Molekulardiagnostik in der klinischen Praxis nutzen

Von Dr. Raúl Ortiz de Lejarazu, Ph.D. Medizin, Medizinische Mikrobiologie und Bakteriologie; emeritierter Direktor des Nationalen Influenza-Zentrums in Valladolid und wissenschaftlicher Berater von Cepheid in Spanien.

Ein Wendepunkt in der Diagnostik von Atemwegserkrankungen

Atemwegsinfektionen sind nach wie vor eine der häufigsten Ursachen für Arztbesuche in Spanien. Doch viel zu lange waren Ärzt/innen gezwungen, Entscheidungen zu treffen, ohne auf schnelle und genaue Diagnosemöglichkeiten zurückgreifen zu können. Diese Landschaft verändert sich dank molekularer Innovation.

„In der klinischen Medizin und Mikrobiologie tappen wir oft im Dunkeln.“ Jetzt, wo wir Licht ins Dunkel bringen können, müssen wir die Gelegenheit beim Schopf packen.“

Im Mai 2025 wurde ein multidisziplinärer Delphi-Konsens, unterstützt von neun führenden spanischen Spezialisten aus verschiedenen medizinischen Fachgesellschaften, im Journal of Diagnostic Microbiology & Infectious Disease1 veröffentlicht. Ich hatte die Ehre, diese Gruppe zu koordinieren. Gemeinsam haben wir aktualisierte nationale Leitlinien vorgelegt, in denen die zentrale Rolle der molekularen Schnelldiagnostik bei der Behandlung akuter Atemwegsinfektionen anerkannt wird.

Von der langsamen Kultivierung hin zu schnellen molekularen Ergebnissen

Noch vor zwei Jahrzehnten konnten Zellkulturen und Antigentests bis zu 48 Stunden dauern2 – viel zu langsam, um die Behandlung sinnvoll zu beeinflussen. Die Molekulardiagnostik hat alles verändert.

Heute können PCR-Schnelltests Krankheitserreger wie Influenza, RSV und SARS-CoV-2 identifizieren. Bei Grippe ermöglicht es eine Behandlung innerhalb der ersten 12 Stunden nach Auftreten der Symptome, wodurch der Krankheitsverlauf gemildert, die Rückkehr zum normalen Alltag beschleunigt und ein unnötiger Einsatz von Antibiotika vermieden wird3.

„Was früher Tage dauerte, dauert jetzt Minuten. Dies ist nicht nur ein wissenschaftlicher Durchbruch, sondern eine klinische Notwendigkeit.“

Wichtige Empfehlungen aus dem Delphi-Konsens1

Unser Konsens unterstreicht die Bedeutung von PCR-Schnelltests für:

  • alle hospitalisierten Patient/innen mit symptomatischen Atemwegserkrankungen
  • Hochrisikogruppen: ältere Menschen, immungeschwächte Personen und Patient/innen mit Komorbiditäten
  • pädiatrische Patient/innen, die eine spezialisierte Versorgung benötigen

 

 

Schnelldiagnostik unterstützt außerdem:

  • den verantwortungsbewussten Umgang mit Antibiotika durch Reduzierung des unnötigen Antibiotikaeinsatzes 
  • verbesserten Patientenfluss und verringerte nosokomiale Übertragung in Krankenhäusern und Pflegeheimen
  • verbesserte Kosteneffizienz in Krankenhäusern (im Vergleich zu Antigentests)
Erstversorgung: Die nächste Herausforderung

Eine zentrale Herausforderung bleibt: die Ausweitung molekularer Tests auf die Erst- und die Notfallversorgung, wo die meisten Atemwegserkrankungen ihren Anfang nehmen.4. Dies erfordert Investitionen und Belege, nicht nur hinsichtlich der Kosteneffizienz, sondern auch hinsichtlich der sozialen und organisatorischen Auswirkungen.

„Unser nächster Schritt besteht darin, Licht ins Dunkel der Erstversorgung zu bringen.“

Die Arbeitsgruppe fordert eine breitere Einführung von molekularen POC-Tests sowie weitere Studien, um deren Wirksamkeit in ambulanten Einrichtungen zu überprüfen.

Eine Handlungsaufforderung

Mittlerweile gibt es die Instrumente, mit denen wir die Diagnose und Behandlung von Atemwegsinfektionen grundlegend verändern können. Es ist Zeit, sie auch zu nutzen.

Diese Empfehlungen sind nicht nur technischer Natur, sie sollen einen grundlegenden Wandel bewirken. Sie bieten einen Leitfaden für eine reaktionsschnellere, effizientere und patientenorientiertere Versorgung im gesamten spanischen Gesundheitssystem.

„Wir haben die verzögerte Diagnostik überwunden. Das Zeitalter schneller, präziser und umsetzbarer Informationen ist angebrochen.“

Dr. Raúl Ortiz de Lejarazu

Die auf dieser Seite präsentierten Inhalte dienen zu Informations- und Bildungszwecken. Obwohl es weltweit verfügbar ist, kann es klinische Praktiken oder Aspekte des Gesundheitssystems widerspiegeln, die für eine bestimmte Region spezifisch sind.

Referenzen:

1. Ortiz-de-Lejarazu R, Sagué M, Eiros JM, de la Flor J, Villar-Álvarez F, Fernández-Prada M, Jiménez-Jiménez AB, Sanz F, Gamazo JJ, Yáñez L, Gómez A, Rodríguez-Ledo P, Ortega J, Molero JM, Reina J, Solà-Morales O. Viral respiratory tract infections diagnosis: a Spanish survey and consensus approach. Diagn Microbiol Infect Dis. 2025 Sep;113(1):116831.

2. Vila J, Zboromyrska Y, Vergara A, Alejo I, Rubio E, Álvarez MJ, Puig J, Marcos MA. Métodos moleculares de diagnóstico de infecciones respiratorias. ¿Ha cambiado el esquema diagnóstico? Enferm Infecc Microbiol Clin. 2016;34(Supl 3):40–46. doi:10,1016/S0213-005X(16)30193-6

3. Stiver G. The treatment of influenza with antiviral drugs. CMAJ. 7. Jan 2003;168(1):49-56. PMID: 12515786; PMCID: PMC139319. 

4. Vigilancia de Infección Respiratoria Aguda en Atención Primaria y Hospitales. Gripe, COVID-19 y VRS. Informe Anual Temporada 2023-2024. Centro Nacional de Epidemiología - Centro Nacional de Microbiología Instituto de Salud Carlos III. Feb. 2025 https://cne.isciii.es/documents/d/cne/informe_anual_sivira_2023-24_20250211

War dieser Artikel hilfreich?

Nächsten Artikel lesen

MEHR

Powered by Translations.com GlobalLink Web SoftwarePowered by GlobalLink Web